Arbeit ist Arbeit.

In den Stephanus-Werkstätten Templin finden Menschen mit Behinderung sinnvolle Arbeit. Thomas Weiß arbeitet dort mit viel Freude und großer Bescheidenheit.

Thomas Weiß spricht nicht gerne über seine Arbeit – er macht sie einfach. Der 40-Jährige steht in den Stephanus-Werkstätten in Templin an einer Werkzeugmaschine. „Flott“ steht auf dem grün lackierten Gerät, und flott arbeitet auch Thomas Weiß. Nach einem programmierten Muster bohrt die Maschine Löcher in Befestigungsleisten. Konzentriert lässt Thomas Weiß den Metallbohrer nach unten gleiten. Ein Besucher will wissen, an welchem Stück der Handwerker gerade so konzentriert arbeitet. Aber Thomas Weiß verliert kein Wort zu seiner Arbeit, er läuft los, holt das Werkstück und zeigt es lieber, ganz ohne Worte: Es ist ein Metallhenkel. Das Gestell lässt sich um das Ventil einer Gasflasche schrauben. Durch diese Schutzvorrichtung kann das Ventil nicht abbrechen, selbst wenn die Flasche umfällt. Eine wichtige Schutzmaßnahme gegen Brände. Für Tausende dieser Ventilschützer hat Thomas Weiß heute schon die Schraubengewinde gefertigt. In Sekunden hat er das Stück in seine Maschine gespannt und führt vor, wie er die Löcher bohrt. Die Geschwindigkeit zeigt, dass ihm die Arbeit Freude macht.

Thomas Weiß ist einer von 300 Menschen mit Behinderung, die derzeit in den Stephanus-Werkstätten Templin arbeiten oder lernen. Begleitet werden sie von über 60 Fachkräften. Zu dem großen Gelände auf dem Waldhof der Stephanus-Stiftung gehören neben der Metallverarbeitung auch eine Gärtnerei, eine Wäscherei und eine Elektromontage. So können die Mitarbeiter je nach Interesse auch in andere Arbeitsbereiche wechseln und sich dort weiterbilden lassen.

„Die Stephanus-Werkstätten sind nicht gewinnorientiert, arbeiten aber betriebswirtschaftlich“, erklärt Werkstattleiter Gottfried Kerner. „Wir müssen den Spagat hinbekommen zwischen dem wirtschaftlichen Betrieb und unserem diakonischem Auftrag.“ Und der lautet: Menschen mit Behinderung oder mit psychischen Erkrankungen einen sinnvollen Arbeitsplatz anzubieten – ohne sie zu überfordern.

Ganz vermeiden lässt sich Stress in einer Werkstatt nicht. „Ab und zu kommt man schon unter Druck“, berichtet Jens Tarnow (38). Der große schlanke Mann mit der dicken Brille hat pechschwarze Finger. Er sortiert gerade ölige Schlösser für Ringanker in eine Kiste. Diese Bauteile sorgen dafür, dass Hauswände auch bei starkem Wind nicht umkippen. „Wenn es Stress geben sollte, muss man eben einen Mann dazusetzen“, sagt Tarnow und schnauft deutlich hörbar durch Nase. „Wenn zwei arbeiten, dann geht das auch schneller.“

Gruppenleiter Ronny Matzke, der auch Thomas Weiß und Jens Tarnow betreut, sorgt für das Gleichgewicht zwischen beruflicher Herausforderung und sozialer Förderung. „Bei einem Kollegen habe ich lange Zeit gar nicht bemerkt, welche Behinderung er hat“, berichtet der 32-Jährige. Die Grenzen seiner Belastbarkeit waren erst zu erkennen, als der Stress zu viel wurde. „Er hat wortlos seine Sachen gepackt und ist verschwunden“, erzählt Matzke. Ein Gefühl, das wohl jeder Arbeitnehmer manchmal nachvollziehen kann. „Wir achten genau darauf, dass die Arbeitsbelastung nicht zu hoch wird“, betont Ronny Matzke.

Wer in den Stephanus-Werkstätten arbeitet, ist länger und sehr gern hier. Ein Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen einen guten Ausgleich zwischen Leistung und Lebensfreude gefunden haben. „Unser Ziel ist es, alle Mitarbeiter für den ersten Arbeitsmarkt zu befähigen“, sagt Werkstattleiter Gottfried Kerner. „Zugleich möchten wir, dass sich unsere Beschäftigten in der Werkstatt wohlfühlen.“

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