Rettungsinsel in der Uckermark.

Alexander Krause betreut Jugendliche, die besonders viel Unterstützung brauchen. Dabei scheut der Heilerzieher keinen Aufwand: Er schlägt Holz, baut einen Hochstand und fährt drei Stunden zu einem Rockkonzert.

Alexander Krause trägt manchmal schwer in seinem Job. Zuletzt hat er Holzbalken geschleppt. Gemeinsam mit Sabine und sechs Kindern baut er eine alte Scheune aus. „Wir fahren auch oft in den Wald und schlagen Holz“, berichtet der Heilerzieher. In den grünen Weiten der Uckermark sollen die Kinder zur Ruhe kommen, die Natur wahrnehmen und einen Weg für sich finden.

Alexander Krause leitet eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft in Groß Dölln, ein Dorf bei Templin. In einem großen Haus leben sieben Jugendliche im Alter zwischen 13 und 20 Jahren mit ihren Erziehern zusammen. „Wir begleiten unsere Kinder rund um die Uhr, auch in die Schule“, berichtet Krause. 17 Betreuer für sieben Kinder, das sind mehr als zwei Pädagogen pro Kind. Intensivbetreutes Wohnen heißt das Angebot, kurz IBW. „Der besondere Aufwand ist notwendig, weil es besondere Kinder sind“, sagt Krause.

Für die schon fast Erwachsenen ist das Haus in Groß Dölln wie eine rettende Insel. Viele haben eine lange, beschwerliche Reise hinter sich. Sie sind von einem Heim ins nächste gewechselt, viele waren in geschlossenen Einrichtungen. Und eine schwere Erfahrung teilen alle: Vater und Mutter konnten sich nicht um die Bedürfnisse ihrer Kinder kümmern, aus sehr unterschiedlichen Gründen. „Das macht ja was mit einem Kind“, erklärt Alexander Krause. „Deshalb ist es auch so schwer für die Jugendlichen, einen Weg für sich zu sehen.“

Alexander Krause und sein Team unterstützen die Jugendlichen dabei, trotz der schwierigen Umstände einen guten Lebensweg zu finden. Sie schenken den Kindern die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. „Wir machen unheimlich viel Praktisches zusammen“, erklärt Krause. Ein Kollege baut mit einem Klienten einen Hochstand, um Wild zu beobachten. „Der Junge interessiert sich unheimlich für Tiere und Wald“, sagt Krause. Zuletzt wurden die Holzstangen geölt. Der Bau geht langsam voran, Schritt für Schritt, so schnell, wie der junge Mann es eben schafft. „Er soll’s tun“, sagt Alexander Krause mit Nachdruck, „er baut den Hochstand nur für sich.“

Alexander Krause wirkt mit seinen 37 Jahren selbst noch jugendlich. Er trägt einen großen Kapuzenpulli unter der Jacke. Die langen blonden Haare muss er sich oft aus dem Gesicht wischen. Beruflich hat er viel ausprobiert. Er war Maler, Lackierer und Berufskraftfahrer. 2001 ist er als Bundeswehrsoldat in den Kosovo gegangen.

Eins hat er durch seine vielen Berufe gelernt: Manchmal muss man einfach was ausprobieren. Das gilt auch für seine jungen Klienten. Im Winter waren alle gemeinsam beim Skifahren, im Sommerurlaub beim Hochseeangeln vor der dänischen Küste. „Ich kann einen Menschen, der ein Trauma hat, nicht allein mit Gesprächen beeinflussen“, betont Alexander Krause. „Ich muss ihn auch mal machen lassen, damit er etwas lernt.“

Die Fortschritte sind klein, aber unübersehbar. Alle Kinder stehen morgens auf, steigen in den Bus und gehen sieben Stunden lang in die Dorfschule. Das ist ein großer Schritt in Richtung Normalität. Für andere Kinder ist es Alltag, für die Sieben aus der Wohngemeinschaft ein Erfolg. „Die machen das, weil sie hier rauswollen“, sagt Alexander Krause, „weil sie auch mal andere Gleichaltrige treffen wollen. Das ist in dem Alter das Wichtigste.“ Alexander Krause und sein Team schaffen täglich Gelegenheiten für gute Erfahrungen. „Wenn wir offen sind und den Kindern immer wieder eine Chance geben, können wir jeden Jugendlichen mit Erfolg betreuen“, davon ist Alexander Krause überzeugt.

Die 16-jährige Angelina durfte im vergangenen Sommer erstmals auf ein Konzert. Sie mag die Toten Hosen. Zwei Betreuer sind mit ihr nach Hamburg gefahren. „Welcher Jugendliche würde nicht gerne seine Lieblingsband sehen?“, fragt Krause. Angelina soll raus, soll Gleichaltrige treffen, soll sich ausprobieren. Soviel Normalität wie möglich, das ist das Ziel von Alexander Krause und seinem Team. Holzschleppen, Hochseeangeln, Hard-Rock-Konzert – der Heilerzieher aus Brandenburg arbeitet hart dafür, damit seine Klienten trotz schwieriger Umstände ein ganz normales Leben führen können. Typisch Alexander Krause. Echt Stephanus!

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