„Fragiles Erinnern“: Rauminstallation mit Konzert in der Friedenskirche der Stephanus-Stiftung

Am 9. September 2022 lädt die Stephanus-Stiftung zur Eröffnung einer audiovisuellen

Rauminstallation in die Friedenskirche ein. Die Künstlerin Simone Rueß präsentiert hier den dritten

Teil ihrer Ausstellung „Fragiles Erinnern“ – in Verbindung mit einem Konzert der Komponistin

Catherine Lamb. Aus biografischen Gesprächen mit einem demenzerkrankten Menschen wird ein

sinnliches Kunstwerk.

Vernissage 
Zeit: Freitag, 9. September 2022, 14 bis 17 Uhr 
Ort: Friedenskirche der Stephanus-Stiftung, Albertinenstraße 20, 13086 Berlin 
Kontakt: Pastorin Tatiana Wagner, Tel. 030 96 24 91 06, Tatiana.Wagner@stephanus.org

Seit 2019 besucht Simone Rueß im Seniorenzentrum Ernst-Berendt-Haus Menschen mit Gedächtnisstörungen und lässt sich biografische Erinnerungen beschreiben. Diese übersetzt die Künstlerin in Zeichnungen, die seit Juni im Erdgeschoss des Ernst-Berendt-Hauses zu sehen sind. Auf der Freilichtbühne Weißensee bekamen Zuschauer*innen über den Sommer hinweg – in Form eines Kurzfilm-Portraits – Einblicke in die Wahrnehmungswelt von Menschen mit Demenz. Den Höhepunkt dieses eindrucksvollen dreiteiligen Kunstprojekts bildet nun die Ausstellung in der Friedenskirche: Mit abstrakten und analytischen Exponaten sensibilisiert die Künstlerin auf sinnlicher Ebene für fragiles Erinnern.
 
In einer schwebenden Farb-Installation fasst Simone Rueß die biografischen Gespräche, die sie mit einem Demenzerkrankten über drei Jahre hinweg führte, zu einem Farbklang zusammen und gibt der fragiler werdenden Erinnerung einen Resonanzraum. Die Komponistin und Musikerin Catherine Lamb reagiert mit ihrem Klangstück auf die partitur-ähnlichen Gesprächs-Diagramme und bringt die Farbinstallation während des Konzerts in Schwingung. 

Die Stephanus-Stiftung ist eine gemeinnützige diakonische Stiftung mit Sitz in Berlin. Durch ihre Tochtergesellschaften bietet sie soziale Dienste für Menschen im Alter an, Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung sowie Dienste für Kinder, Jugendliche und Familien in besonderen Lebenslagen. Darüber hinaus verantwortet die Stephanus-Stiftung Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, einen Hospizdienst sowie Dienste für geflüchtete Menschen. Alle diese Angebote werden täglich von nahezu 10.000 Menschen an über 100 Standorten in Berlin und Brandenburg in Anspruch genommen. Für rund 4.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 70 Auszubildende ist die Stephanus-Stiftung mit ihren Tochtergesellschaften eine verlässliche Arbeitgeberin. Rund 700 Ehrenamtliche leisten wertvolle Unterstützung. Die Stephanus-Stiftung ist Mitglied im Diakonischen Werk BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz. 

Zu den Künstlerinnen: 
Simone Rueß untersucht zeichnerisch urbane, soziale und zeitliche Strukturen. Indem sie Bewohner*innen unterschiedlicher Orte interviewt, sammelt sie mentale Bilder und Raumbiografien, die sie grafisch analysiert. Ergebnisse ihrer künstlerischen Recherche übersetzt sie in Animationen, Objekte, Installationen, Performances und kollektive Workshops. 

Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (2002-08) arbeitet Rueß während Forschungs-Aufenthalten u.a. in Warschau (2008-12), Paris (2013 und `15), Mailand (2018), Stuttgart (2016/17) und Zielona Góra (2012, PL) und wird währenddessen durch zahlreiche Stipendien gefördert, z. Bsp. durch den DAAD, die Landesgraduiertenförderung des Ministeriums für Forschung, Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, die Stiftung Kunstfonds Bonn, die Akademie Schloss Solitude und die Cité Internationale des Arts, Paris. Simone Rueß präsentiert ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen, Vorträgen, Performance-Festivals und Katalogen. Seit 2018 unterrichtet Rueß in Kunst und Design u.a. an der Goethe-Universiät in Frankfurt am Main oder an der Bergischen Universität in Wuppertal. In ihrer Lehre legt sie einen Fokus auf die (inter)subjektive Wahrnehmung im analogen und digitalen Handlungsraum. www.urbik.org 

Catherine Lamb erforscht als Komponistin die Interaktion von Tönen elementarer Tonalität sowie die Summation ihrer Konturen und Schatten; Momente phänomenologischer Expansion und die Architektur von Übergängen und Schwellen, d.h. zum Beispiel die Zustände zwischen Außen und Innen. 

Catherine Lamb erlangte ihren Bachelor of Fine Arts 2006 am Califonia Institute of Arts in Los Angeles, wo sie experimentelle Musikkomposition, Extended Just Intonation und Psychoakustik und andere Kunstformen studierte. Catherine Lamb wurde mit dem Grants to artists Award 2018 der Stiftung Zeitgenössische Kunst in New York ausgezeichnet, 2016 war sie Staubach Fellow für die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt sowie Stipendiatin am Schloss Solitude Stuttgart. Ihre Auseinandersetzung mit der Interaktion von Klängen setzt sie in ihrer Lehrtätigkeit, ihrer kompositorischen wie auch ihrer künstlerischen Arbeit zusammen mit anderen Musiker*innen fort. Sie schreibt Kompositionen für Ensembles wie das London Contemporary Orchestra oder das JACK Quartet (New York), die Kölner Philharmonie und hat zahlreiche Auftritte u.a. in der KaiserWilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, beim BBC oder WDR. www.sacredrealism.org

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