Geburt in acht Quadratmetern Heimat

Seit November letzten Jahres verantwortete die Stephanus-Stiftung in Berlin-Friedrichshagen eine Notunterkunft für geflüchtete Menschen. Untergebracht in einer Schulsporthalle bot sie Platz für bis zu 150 Personen.

Seit Mitte August sind alle Bewohner ausgezogen und wurden vom Senat in anderen Wohneinrichtungen untergebracht. Insgesamt fanden über 330 Personen dort zeitweise ein neues Zuhause.

Rückblickend war die Arbeit für die geflüchteten Menschen dort sehr wichtig und erfolgreich. Auch wenn es nicht immer einfach war. Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen benötigten oft viel Geduld, Rücksicht und Feingefühl.

Einrichtungsleiter Sebastian Grytzka: „Bei uns ging es überwiegend ruhig zu. Aber natürlich hatten wir auch Streitigkeiten zu schlichten. Manchmal ging das auch nur, wenn wir Unterstützung seitens der Polizei hatten oder von den Mitarbeitern des Wachdienstes unterstützt wurden. Aber zum Glück kam das nur sehr selten vor.“

Die fünf Stephanus Mitarbeiter*innen in der Notunterkunft wuchsen dabei mit ihren Aufgaben. Eine ganz besondere Situation hatte dabei Sozialarbeiterin Katja Schurig im April zu meistern.

Mit Unterstützung einer Wachdienstmitarbeiterin half sie bei der Geburt eines Kindes in der Notunterkunft. „Das ging alles sehr schnell“, berichtet Katja Schurig. „Der Notarzt war noch nicht da und so hatte ich die Notrufzentrale am Telefon, die mir Anweisungen zur Geburtshilfe gab.“

Alles ging gut. Ein gesundes Mädchen wurde in den acht Quadratmetern Heimat ihrer Eltern geboren, ein von Tüchern abgehangenes Betteniglu in der Sporthalle. Die Eltern flüchteten aus Afghanistan und gaben ihrem Kind den Namen Maria.

Katja Schurig erinnert sich sehr gern an dieses Ereignis. Seit Ende letzten Jahres arbeitete sie als Sozialarbeiterin in der Stephanus-Notunterkunft und kümmerte sich auch um die Mütter und ihre Kinder.

„Ich begleitete die Bewohner*innen bei ihren ersten Kontakten mit den alltäglichen Situationen in Berlin“, so Katja Schurig. „Vor allem die Familien benötigten Ratschläge und Unterstützung, um sich in dem für sie neuen System von Schule und Kita zurechtzufinden.“

Die Stephanus-Stiftung möchte sich weiterhin für geflüchtete Menschen engagieren und stimmt derzeit entsprechende Angebote mit der zuständigen Senatsverwaltung ab.

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