Krisenbewältigung bei Stephanus

Doreen Marienhagen hatte die verfügbaren Schutzmittel für die Stephanus-Stiftung im Blick und prüfte zahlreiche Angebote, die nicht immer seriös waren.

Der „Corona-Vorsorge-Stab“ als Instrument, um die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen.

 

Die Corona-Pandemie ist für viele Unternehmen und Organisationen eine extreme und beispiellose Situation. Auch die Verantwortlichen in der Stephanus-Stiftung sahen sich unvermittelt mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

In der Vorstandskonferenz am 3. März reflektierte die Leitung bereits einige beschlossene Maßnahmen: Die Vorräte in den Küchen sollten statt für bisher 10 nun für 20 Tage reichen. Pandemiepläne wurden geschäftsbereichsübergreifend aktualisiert. Die vorhandenen Vorräte an Desinfektion- und anderen Schutzmitteln wurden ermittelt. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar: Bezahlbarer Nachschub ist schwer zu bekommen. 

Seit dem 9. März gibt es den vom Vorstand eingesetzten „Corona-Vorsorge-Stab“. In der Kerngruppe bestand er aus Doreen Marienhagen (Referentin Hauswirtschaft und Qualitätsbeauftragte), Martin Arndt (Leiter Arbeitsschutz), Roland Heller (Leiter Recht & Compliance) sowie Martin Jeutner (Pressesprecher und Stabsstelle Kommunikation). Später kamen hinzu Kerstin Lemanski-Kröz (Zentrale Qualitätsbeauftragte), Dr. Norbert Manterfeld (Bereichsleiter Personal) sowie für die Vertretungszeiten Esther Hoffmann (Leiterin Marketing-Kommunikation), Christiane Basikow (Sicherheitsingenieurin) und Diana Diterle (Referentin Personalmanagement).
 
Täglich trafen sich die Mitglieder in einer morgendlichen Videokonferenz und berieten die aktuellen Fragestellungen. Dabei wurden Entscheidungen vorgeschlagen, um sie dann in der Mittagskonferenz um 13.00 Uhr mit den beiden Vorständen sowie einem Vertreter der Verbund GMAV abzustimmen und auf den Weg zu bringen. 

Anfangs ging es um eine ganze Reihe von bisher nie gestellten Fragen, die aber plötzlich eine große Relevanz hatten: Schutzmaterialien besorgen und verteilen, Quarantänebereiche schaffen, Veranstaltungen absagen und die mit der Schließung von Einrichtungen einhergehenden arbeitsrechtlichen Aspekte.

Bei allen getroffenen Entscheidungen galt es nicht nur den Schutz der Menschen in den Einrichtungen zu bedenken oder die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzuschätzen. Sondern immer spielten auch Verunsicherung und Angst bei vielen Mitarbeitenden eine wichtige Rolle. Die TV-Bilder aus China und Norditalien gingen um die Welt und kamen natürlich im Vorsorge-Stab zur Sprache.

Insgesamt hat der „Corona-Vorsorge-Stab“ bisher 39 Newsletter herausgegeben, in denen viele Fragestellungen beantwortet und überwiegend an die Leitungen in den Einrichtungen, aber teilweise auch direkt an alle Mitarbeitenden verschickt wurden.

Im ersten Newsletter am 12. März ging es noch um die Verfügbarkeit von Desinfektions- und Schutzmaterial, die Reduzierung des Publikumsverkehrs in den Einrichtungen, die Organisation von Telefonkonferenzen und die Erreichbarkeit des „Corona-Vorsorge-Stabes“. Der hatte zügig eine Mailadresse und ein „Corona-Telefon“ eingerichtet, welches an sieben Tagen die Woche, rund um die Uhr, erreichbar war. Mehr als 1500 Mails hat der Vorsorgestab seit dem bearbeitet und zahlreiche Telefonate geführt.

In den folgenden Tagen bis Ende März kam es dann zum allgemeinen „Lockdown“ des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland. Im Stab wurden jetzt u.a. Bescheinigungen für Mitarbeitende entwickelt und Aushänge für die Einrichtungen. Am 25. März ging an alle Leitungen eine „Checkliste im Fall eines festgestellten Corona-Falls“ raus. Bis dahin gab es einige Verdachtsfälle, aber noch keine Corona-Erkrankungen. Erst am 10. April, Karfreitag, musste eine Bewohnerin des Elisabeth Diakoniewerkes in Pankow mit Covid-19-Symptomen in ein Krankenhaus gebracht werden. In den folgenden Tagen wurden weitere Infektionen bei insgesamt 11 Bewohnerinnen und Bewohnern der Einrichtung festgestellt. Zwei von ihnen sind verstorben. Später erkrankten auch fünf Mitarbeitende. Wenige Tage nach Ostern meldete auch das „Haus Müggelspree“ in Berlin-Köpenick erste Covid-19-Verdachtsfälle, die sich dann auch bestätigten. Insgesamt waren dort 16 Bewohnerinnen und Bewohner sowie fünf Mitarbeitende erkrankt.

Hier waren Vorstände, Geschäftsbereichsleitung, die Leitungen vor Ort sowie die Mitglieder des Vorsorge-Stabes besonders gefordert. Zahlreiche Entscheidungen mussten getroffen und umgesetzt werden, die Mut und Kreativität erforderten: Bewohnerinnen und Bewohner schützen, sie individuell betreuen und dennoch den ganz normalen Pflegealltag personell und fachlich aufrechterhalten. 

Insbesondere mussten in dieser Zeit auch die vielen Angehörigen und Betreuungspersonen informiert werden. Die zunächst strengen Besuchsverbote, die später erlassenen Abstandsregelungen und die dann Mitte Mai wieder erlaubten Besuche bedurften eines erheblichen Organisationsaufwandes in den Einrichtungen.

Immer auch war die Frage zu beantworten: Wie schützen wir unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort? Schutzkleidung in ausreichenden Mengen zu besorgen, war kaum möglich. Dennoch ist es gelungen, für alle akuten Fälle die nötigen Materialien bereit zu stellen. Dazu waren auch erhebliche finanzielle Aufwendungen nötig, um das zu gewährleisten.

Was alles im „Corona-Vorsorge-Stab“ und jeden Tag in den Einrichtungen vor Ort geleistet wurde, ist im Nachhinein kaum abzubilden. Insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegebereichen der Altenhilfe und der Eingliederungshilfe haben wirklich viel ausgehalten und gestemmt. Aber auch die Kolleginnen und Kollegen in der Kinder-und Jugendhilfe, in den Werkstätten, den Kitas und Bildungseinrichtungen mit Notbetreuung und „Videounterricht“ hatten einiges zu leisten. 

Mehrfach haben sich die beiden Vorstände Torsten Silberbach und Harald Thiel an die Mitarbeitenden gewandt: „Die Zeiten bringen es mit sich, dass wir gemeinsam darauf angewiesen sind, dass jede und jeder an ihrem und seinem Platz das Richtige entscheidet. Dass Sie genau das machen, dafür danken wir Ihnen und wollen Sie darin bestärken. Wir stehen hinter Ihnen und Ihren Entscheidungen“. 

Ende Mai wurden die Kolleginnen und Kollegen der Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen in Berlin-Buch besonders gefordert. Auch dort gab es plötzlich mehrere infizierte Personen. Die Situation war auch deshalb sehr problematisch, weil die Einrichtung am 1. Juni, langfristig geplant, an einen anderen Betreiber übergeben wurde. Dort und auch in den anderen beiden Pflegeeinrichtungen konnte die Ausbreitung der Erkrankungen gut eingegrenzt werden. 

In Abstimmung mit den Geschäftsbereichen hat der Vorstand Anfang Juni angeregt, die Arbeit des „Corona-Vorsorge-Stabes“ mehr in den Hintergrund zu verlagern. Denn es hat sich gezeigt, der Ausnahmezustand wurde zum Alltag und die allermeisten richteten sich damit ein. Trotzdem bleiben alle Fachleute des Stabes weiterhin erreichbar und auch die Schutzmittel werden bis auf weiteres zentral eingekauft.

Durch zahlreiche Rückmeldungen aus den Einrichtungen wird deutlich, dass der Vorsorge-Stab ein geeignetes Instrument der Krisenbewältigung war und ist. Insbesondere, weil er sehr frühzeitig und fachlich begründet eingesetzt wurde. Vorstand Harald Thiel sagte: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir auch den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie mit unseren Erfahrungen und Expertisen gut meistern.“

Martin Jeutner
Pressesprecher
Stabsstelle Kommunikation

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