Über das Denkbare hinaus

Antje-Angela Uibel mit Martin Reiche (links) und Pastor Torsten Silberbach.

Am 24. Juni 2020 wurde Antje-Angela Uibel als langjährige Mitarbeiterin und Schulleiterin der Waldhofschule Templin verabschiedet. Die Grundschullehrerin und Sonderpädagogin ist seit August 1992 an der Waldhofschule tätig. Bis zum Jahr 2003 war die Schule eine Förderschule für Kinder mit geistiger Behinderung. Der damalige Leiter Wilfried W. Steinert veränderte mit dem Kollegium dann ab dem Schuljahr 2003/2004 das pädagogische Konzept der christlichen Bildungseinrichtung grundlegend.

Unter der Überschrift „Umgekehrte Integration“ wurde mit zwei ersten Klassen begonnen, in die Förderschule Kinder mit Regelschulbedarf zu integrieren. Das bedeutet, Kinder mit und ohne Förderbedarf lernen nun von Anfang an zusammen in kleinen Klassen. Für diese erfolgreiche pädagogische Arbeit wurde die Waldhofschule 2010 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde Antje-Angela Uibel die Leitung der Waldhofschule übertragen, nachdem Wilfried W. Steinert in den Ruhestand ging und sie bereits seit 2002 seine Stellvertreterin war.

Die bundesweit beachtete Würdigung der Waldhofschule war für Antje-Angela Uibel einer der wichtigen Höhepunkte in ihrer Zeit dort. Als Schulleiterin hat sie in den folgenden zehn Jahren viel Kreativität und Kraft in die weitere Entwicklung der Schule eingebracht. Ein ihr sehr wichtiger Aspekt dabei: „Inklusion für alle Schülerinnen und Schüler umsetzen“.

„Das ist permanent ein sehr spannendes Thema für mich“, sagt Antje-Angela Uibel. „Wie kann ich der so heterogenen Schülerschaft gerecht werden, welche Bedingungen brauchen die so verschiedenen Kinder und Jugendlichen, mit den unterschiedlichsten Biografien, zum Lernen? Was können wir als Schule leisten? Das sind alles bedeutende Fragestellungen, mit herausfordernden Lösungswegen.“

Gleichzeitig behielt sie auch die wichtige Personalentwicklung im Blick. Mit der wachsenden Schule und den sich entwickelnden Anforderungen musste auch das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitwachsen. „Hier war mir immer wichtig, Stärken und Schwächen erkennen, ihre Stärken für die Schule zur Entfaltung zu bringen und dabei  Freiraum zu lassen, ohne dem Selbstlauf Bahn zu geben.“

Wertvoll war ihr dabei auch die Zusammenarbeit mit der sich immer verändernden Elternschaft. „Ich habe Eltern nicht als Last, sondern als Bereicherung empfunden“, sagt Antje-Angela Uibel. Sie auch mit deren Anliegen und Sorgen zu sehen und das auch authentisch zu kommunizieren, ist eine ihrer vielen Qualitäten als Schulleiterin.

„Netzwerkarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit“, sagt Antje-Angela Uibel. Der Austausch von Ideen, ihre gemeinsame Umsetzung oder auch das nachjustieren sei ja nicht immer einfach. Dennoch aber möglichst alle mitnehmen können, immer wieder neu über das „Denkbare“ hinaus denken und dann losgehen, war ihr immer eine besonders wichtige Leitungsaufgabe.

Nach 28 Jahren an der Waldhofschule und 10 Jahren als Leiterin und Vorgesetzte von 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte Antje-Angela Uibel nun neue berufliche Wege gehen. „Mir war bewusst, dass ich diese Tätigkeit, in die ich sehr viel Herz, Energie, Kraft und Liebe investiert habe, nicht bis zum Rentenalter in dieser Intensität, mit meiner Lebensfreude und Lust auf Entwicklung und Weitblick weiterführen kann.“

Eine ganze Reihe von besonderen Projekten fallen der Schulleiterin in der Rückschau ein: Der Umbau des „Gramm-Hauses“, der Neubau zweier Schulgebäude, die Einrichtung des Streichelzoos, der Schulwald oder der „Entdeck-Dich-Garten“. Ganz speziell auch der „Verkaufswagen für die Wildprodukte“, mit dem die Schülerinnen und Schüler auf Märkten stehen. Bei all diesen Vorhaben erfuhr Antje-Angela Uibel die Unterstützung der Stiftungsleitung. „Dafür bin ich wirklich sehr dankbar“, sagt sie.

Nun wechselt die 50-jährige Templinerin nach Zehdenick an die Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“. „Ich wollte nicht weg von der Waldhofschule. Aber ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, wo ich auch gut für mich sorgen muss.“

Denn rückblickend erkannte Antje-Angela Uibel, dass sie es nicht immer geschafft habe, was man einem „guten Chef“ nachsagt: Aufgaben mehr verteilen und auch mal „Nein“ sagen. Kamen Ideen von den Kolleginnen und Kollegen, sah sie darin auch Anregungen für die schulische Entwicklung oder entdeckte „kleine Schätze“. „Dann arbeitete es sofort in mir, ob das etwas für unsere Schule ist und wie wir das umsetzen können. Wen beziehe ich mit ein, woher bekommen wir noch Unterstützung. Das zieht natürlich alles viel Kraft.“

Ein sehr intensiver Einschnitt in ihrem beruflichen Leben in der Stephanus-Stiftung war 2015 der plötzliche Tod ihres sehr vertrauten Kollegen Maik Stiebitz, Schulleiter an der Laurentiusschule in Bad Freienwalde. „Da habe ich sehr lange nachgedacht: Arbeitest du, um zu leben oder lebst du, um zu arbeiten“, erzählt Antje-Angela Uibel.

„Und das hat dann auch zu Veränderungen geführt: Ich habe mein privates Leben neu orientiert, möchte mehr Zeit mit meinem Mann und den inzwischen schon fast erwachsenen Kindern verbringen, unser Häuschen mit Garten anders nutzen, wieder viel mehr kreativ sein können und vor allem Sport und Reisen intensiver genießen.“
In der neuen beruflichen Aufgabe wünscht sich Antje-Angela Uibel weniger (Personal) Verantwortung, dafür viel mehr Zeit für die eigentliche Arbeit als Sonderpädagogin. „Hoffentlich können mich die neuen Kolleginnen und Kollegen als doch etwas „querdenkende Kollegin“ annehmen. In jedem Fall möchte ich „entschleunigen“, ohne dabei die Energie und die Kreativität zu verlieren.“

Sehr gern möchte sie dabei Synergien mit der Waldhofschule nutzen und sich dafür einsetzen, dass beide Schulen an einigen Projekten zusammenarbeiten. 

Martin Jeutner
Pressesprecher
Stabsstelle Kommunikation

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