Was mir wichtig ist

Liebe Leserinnen und Leser,

das ganze Jahr über hat uns die Stephanus-Botschaft „Hingucker“ begleitet. Ich habe diese Botschaft immer als Aufforderung verstanden: Nicht wegsehen, sondern hinsehen!  

Aber ehrlich, ich kann die vielen schrecklichen Bilder dieser Tage und der letzten Monate in diesem Jahr kaum noch ertragen. Das Hinsehen fällt mir zunehmend schwerer. Ich fühle mich so machtlos. Und reicht es wirklich aus, das Hinsehen?  

Es gibt etwas, was wir noch tun können. Wir hoffen auf Versöhnung als Voraussetzung für Frieden. Und wenn wir das ernst meinen, können wir gleich damit anfangen, hier und heute. 

Wir können schauen, mit wem wir, also Sie und ich, nicht im Frieden sind. Vielleicht in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder im Kreis der Kolleginnen und Kollegen. Der Grund spielt keine Rolle.   

Denn Versöhnung ist mehr als Vergebung. Wenn wir jemanden eine Schuld oder eine Verletzung vergeben, dann können wir danach befreit unserer Wege ziehen. Wenn sich Menschen aber miteinander versöhnen, dann wollen sie unbelastet von einer Verletzung ihre Beziehung fortsetzen oder vielleicht eine neue eingehen. Wo keine Versöhnung stattfindet oder nicht möglich ist, gibt es keine friedliche Beziehung. Und wohin das führt, erleben wir in den letzten Jahren und Monaten sehr nah.  

Die Friedenskirche der Stephanus-Stiftung hier in Weißensee ist ein Versöhnungsort. Seit vielen Jahren segnen und senden wir von hier aus junge Menschen in einen freiwilligen Friedensdienst nach Israel und in andere Länder, wo sich Deutschland schuldig gemacht hat. Leider musste Elisabeth Sosa, die wir hier im September in ihren Dienst gesendet haben, Israel im Oktober wieder verlassen, da ihre Situation in Jerusalem zu gefährlich war.  

Versöhnung ist keine leichte Übung. Nicht in der Familie, nicht in Bereichen unserer beruflichen Arbeit und in der Welt eben auch nicht. Doch ich glaube, gerade uns wird in der Bibel immer wieder ein Weg aufgezeigt, wie Versöhnung gelingen kann. Die Bereitschaft zu vergeben ist eine wesentliche Voraussetzung. Doch auch der Wille, in eine neue Beziehung einzutreten, ist nötig.  

Ich bin voller Hoffnung und Zuversicht. Lassen auch Sie sich davon anstecken, schauen wir weiter hin und nicht weg. Lassen Sie uns hoffnungsvolle Hingucker sein! 
 

Ihr  
Diakon Martin Jeutner 

 

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