Lebenslinien - Trauerbegegnungen für Menschen mit Behinderung

Denise Nußbaum vom Stephanus-Hospizdienst lädt zum gemeinsamen Trauern ein.

„Noch einmal sprechen von der Wärme des Lebens…“

Mit diesem Gedicht „Bevor ich sterbe“ von Erich Fried eröffnet Denise Nußbaum wie immer das Treffen. Anwesend ist eine kleine Gruppe von Menschen mit Behinderung. Sie leben in einer Stephanus-Wohngemeinschaft oder kommen von außerhalb, sind Mitte 20 oder auch 70 Jahre alt. Was sie eint, ist die Trauer. Jeder und jede hat einen Menschen verloren. Reden hilft, und gemeinsames Trauern schenkt Kraft. Dafür gibt es diese Gruppe, die sich „Trauerbegegnung Lebenslinien“ nennt.

Und zwar seit Januar 2023: Der Stephanus-Hospizdienst hatte zuvor festgestellt, dass eine gemeinsame Trauergruppe von Menschen mit und ohne Behinderung nicht gut funktionierte. Daher wurde eine eigene Gruppe für Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen. „Das gibt es nur bei Stephanus. Meines Wissens sind wir die einzigen in Berlin, die so etwas anbieten“, sagt Denise Nußbaum. Sie ist Koordinatorin des Stephanus-Hospizdienstes für Berlin Mitte-Nord und leitet die Gruppe.  

Als nächstes zündet Denise Nußbaum die Dreidochtkerze an, jeder Docht hat eine bestimmte Bedeutung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Wir haben einen festen Ablauf. Rituale sind wichtig und geben Halt“, erklärt sie. Anschließend entzünden alle ein Teelicht, erzählen, für wen das Licht leuchten soll, und kommen so ins Reden. „Oft machen wir auch kreative Sachen, zum Beispiel bemalen wir ein Holzherz oder basteln eine Kette aus Erinnerungen“, ergänzt Denise Nußbaum.

Nach anderthalb Stunden beendet der Gong das Treffen. Die Koordinatorin freut sich: „Es ist schön, dass wir Menschen mit Behinderung einen Ort zum Trauern bieten können. Der Bedarf ist eindeutig vorhanden.“  

Das Problem ist allerdings die Finanzierung: „Das gilt leider für alle Angebote, die mit Trauer zu tun haben. Weil die Krankenkasse hierfür kein Geld zahlt, sind wir komplett auf Spenden angewiesen.“ Aber es gibt Unterstützung innerhalb der Stephanus-Stiftung: „Wir sind Pfarrerin Tatiana Wagner dankbar, zum Beispiel, dass wir die Kirche nutzen dürfen. Wichtig ist außerdem unsere feste Kooperation mit dem Geschäftsbereich Wohnen und Assistenz.“
 

Möchten Sie die „Lebenslinien“ unterstützen? Die Trauergruppe freut sich sehr über Ihre Spende:  
KD-Bank eG
IBAN: DE80 3506 0190 0003 0303 00
Stichwort: Trauergruppe Lebenslinien

Vielen Dank!


Jeden zweiten Dienstag im Monat von 15.30 bis ca. 17.00 Uhr trifft sich die „Trauerbegegnung Lebenslinien“ für Menschen mit Behinderung in der Friedenskirche der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee.

Die Gruppe ist offen für weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich verständigen können. Denise Nußbaum bittet um vorherige Anmeldung unter Tel. 0173 79 71 46 7 oder
denise.nussbaum@stephanus.org

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