Fotoquelle: Stephanus Archiv
Wolfram Döring
Leiter Seniorenzentrum Ulmenhof
Berlin-Köpenick

Was mir wichtig ist

Bei seinem letzten Besuch zur Auswertung der 361 Gespräche im Seniorenzentrum Ulmenhof erzählte mir Peter Essler folgende Begebenheit. Zur Mittagszeit saß Peter Essler im Speisesaal des Ulmenhofes. Eine Frau betrat den noch leeren Speisesaal und sah sich um. Sie ging zum Tisch von Herrn Essler und fragte, ob sie sich zu ihm setzen dürfe. Er willigte ein. Schweigend saßen sie am Tisch. Nachdem die Dame ihre Mahlzeit verzehrt hatte, wandte sie sich mit einem Lächeln zu ihm und bedankte sich bei ihm, dass sie gemeinsam zu Mittag speisen konnten, ohne ihren Status auszutauschen.

Wer zu einem Empfang in eine Botschaft geladen war, weiß um das Protokoll. Beim Defilee zu Beginn des Empfangs wird der Gast dem Botschafter von einem Protokollanten vorgestellt. Neben der Namen- und Titelnennung wird der Status besonders erwähnt. In der Regel wird auf die genannte Stellung bei der nun persönlichen Begrüßung vom Botschafter in einem kurzen Gespräch Bezug genommen. In den sich später anschließenden Gesprächen mit anderen geladenen Persönlichkeiten wird immer wieder der Status erfragt und genannt sowie das Wissen um die entsprechende Stellung vertieft.

Auch in der Diakonie und in der Stephanus-Stiftung kommt man bei Empfängen und Veranstaltungen zum Austausch über den jeweiligen Status. Der Rang wird sogar auf den Namensschildern ausgewiesen. Menschen, die sich an die Einrichtungen und Dienste der Stephanus Stiftung wenden, haben auch einen Status. Manchmal sind sie bekannt oder sogar berühmt. In den Tätigkeitsfeldern der Stiftung sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemüht, allen Menschen, unabhängig von ihrer Stellung, vorbehaltlos entgegen zu treten. Es geht nicht um ihre Stellung und Rang im Leben und in der Öffentlichkeit. Unabhängig von Status und Rang möchte man ihnen als Mitmensch begegnen. In der Diakonie sind alle Menschen eingeladen, so der Anspruch, der in der Bibel formuliert ist. Die Überlieferung der Erfahrungen und Erkenntnisse in der Bibel, in einem der ältesten Bücher der Welt, können einen zu Gott, zu einem selbst sowie zum Mitmenschen führen. Christen sind darin aufgefordert, eine sorgende Gemeinschaft für ihre Mitmenschen zu bilden in Verbundenheit mit den Menschen des guten Willens.

Beim Botschaftsempfang begründet die besondere Stellung die Einladung. Diakonisches Handeln und Tun begründet sich aus der Bibel. Hier werden andere Kriterien für eine Stellung und Einladung genannt.

Menschen, die Kontakt zu den diakonischen Einrichtungen und Diensten aufnehmen, haben einen anderen gemeinsamen Status. Sie benötigen Begleitung und Unterstützung. Oft erleben sie eine Zeit der Sorgen, vielleicht sogar der Verlassenheit und Einsamkeit. Wer diesen Status erfahren muss, sucht Geborgenheit und Zuversicht. Und so wünsche ich uns Gottes Segen und dass wir den anderen Status unserer Mitmenschen nicht aus den Augen verlieren.

Ihr

Wolfram Döring
Leiter Seniorenzentrum UlmenhofBerlin-Köpenick

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