Geflüchtete Menschen brauchen Perspektiven

In der Gemeinschaftsunterkunft in Berlin-Buch können 450 Menschen leben.

Die Stephanus-Stiftung veröffentlichte Ergebnisse und Erkenntnisse aus einer Zufriedenheitsanalyse in Berliner Gemeinschaftsunterkünften (GU) für geflüchtete Menschen, die sie im Auftrag des Senats verantwortet.

Als Trägerin von seinerzeit zwei Berliner Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen in Berlin-Neukölln und Berlin-Buch führte die Stephanus-Stiftung im Zeitraum Winter 2018/Frühjahr 2019 eine Zufriedenheitsbefragung durch, an der sich 141 Bewohnerinnen und Bewohner beteiligten. Begleitet wurde die Stephanus-Stiftung dabei vom Institut für Innovation und Beratung an der Evangelischen Hochschule Berlin.

Die Ergebnisse zeigen, einfache menschliche Grundbedürfnisse seien für die Bewohnerschaft in Gemeinschaftsunterkünften höchst relevant: Proaktive Information, freundlicher Umgang, verständliche Kommunikation, Sicherheit, intakte Infrastruktur mit WLAN, Kochmöglichkeiten für traditionelles, sozial strukturiertes Essen, die Nähe zu Läden, zum öffentlichen Nahverkehr, zur Gastronomie sowie die Nachbarschaftspflege und gute Integrationsangebote.

Julia Morais, verantwortlich für das Thema Migration & Integration in der Stephanus-Stiftung, sagt: „Der Grund für die vorliegende Erhebung ist unser eigener Qualitätsanspruch. Wir nehmen die Beherbergung und Begleitung der Geflüchteten als gesellschaftlichen Auftrag sehr ernst. Sie sind unsere Gäste und wir möchten, dass sie sich bei uns aufgenommen und respektiert fühlen. Ich bin davon überzeugt, dass eine integrative Begleitung ihre Perspektiven für den Aufenthalt in Deutschland verbessern. Deshalb ist es für uns wichtig zu wissen, was die uns zugewiesenen Menschen benötigen, wie sie sich fühlen und was wir in unserer Arbeit für sie verbessern oder weiterentwickeln können.

Aus den Ergebnissen der Umfrage wurden folgende Erkenntnisse gewonnen:

1. Sehr wichtig ist das „Ankommen“ der Gäste in der GU. Auch unter hohem Zeitdruck im Arbeitsalltag werden unsere Mitarbeitenden noch mehr Sorgfalt in die Ankunftsphase der geflüchteten Menschen einbringen. Unser Ziel ist, dass sich alle willkommen fühlen und gut über das neue Zuhause und die vielfältigen Möglichkeiten in der Umgebung informiert sind.

2. Mit überschaubarem Aufwand könnten wir das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner steigern. Dazu bedarf es jedoch einiger Änderungen behördlicher Auflagen, zum Beispiel beim Thema Besuchszeiten. Hier gibt es in Berlin unterschiedliche Vorgaben. Hilfreich wären darüber hinaus mehr Möglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Zimmer etwas individueller gestalten bzw. einrichten zu können, zum Beispiel mit größeren Teppichen und einzelnen eigenen Möbelstücken. Auch das gemeinsame Kochen hat für die Bewohnerinnen und Bewohner einen sehr hohen Stellenwert. In den Gemeinschaftsküchen ist das nur in sehr begrenztem Umfang möglich.

3. Eine der größten Herausforderungen für die Befragten sind ihre beruflichen Perspektiven. 75% gaben an, keine abgeschlossene Berufsqualifikation vorweisen zu können. Hier erscheint es notwendig, dass sich Betriebe, Berufs- und Hochschulen mehr öffnen und neue Ausbildungsformate bereitstellen sowie betriebliche Einstiegskriterien definieren. Diese sollten flankiert sein von Unterstützungsangeboten und öffentlich geförderten Ausbildungsplätzen. Voraussetzung sind natürlich gute Sprachkenntnisse. Das Lernen der deutschen Sprache ab dem ersten Tag sollte allen geflüchteten Menschen ermöglicht werden, unabhängig von ihren Bleibeperspektiven.

„Die Erkenntnisse zeigen uns, dass nicht unbedingt die behördlichen Sorgen wegen Rassismus oder Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Diversität (LSBTQ) bei den Gästen im Vordergrund stehen, sondern vielmehr organisatorische und technische Probleme“, sagt Julia Morais. „Die Ergebnisse spornen uns an, unsere Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft auf hohem Qualitätsniveau zu halten und noch zu verbessern.

Martin Jeutner
Leiter Unternehmenskommunikation

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