Zufriendenheitsanalyse einsehbar

Die Stephanus-Stiftung veröffentlicht Ergebnisse und Erkenntnisse aus einer Zufriedenheitsanalyse in Berliner Gemeinschaftsunterkünften (GU) für geflüchtete Menschen, die im Auftrag des Senats von der diakonischen Stiftung betrieben werden.

Als Trägerin von seinerzeit zwei Berliner Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen in Berlin-Neukölln und Berlin-Buch führte die Stephanus-Stiftung im Zeitraum Winter 2018/Frühjahr 2019 eine Zufriedenheitsbefragung durch, an der sich 141 Bewohnerinnen und Bewohner beteiligten. Begleitet wurde die Stephanus-Stiftung dabei vom Institut für Innovation und Beratung an der Evangelischen Hochschule Berlin. In Auswertung der Befragungsergebnisse hält Julia Morais, verantwortlich für das Thema Migration & Integration in der Stephanus-Stiftung, Folgendes fest:

Der Grund für die vorliegende Erhebung ist unser eigener Qualitätsanspruch. Wir nehmen die Beherbergung und Begleitung der Geflüchteten als Auftrag der Gesellschaft sehr ernst. Sie sind unsere Gäste und wir möchten, dass sie sich bei uns aufgenommenen und respektiert fühlen. Ich bin davon überzeugt, dass eine integrative Begleitung ihre Perspektiven für den Aufenthalt in Deutschland verbessern. Deshalb ist es für uns wichtig zu wissen, was die uns zugewiesenen Menschen benötigen, wie sie sich fühlen und was wir in unserer Arbeit für sie verbessern oder weiterentwickeln können. Aus den Ergebnissen der Umfrage haben wir folgende Erkenntnisse gewonnen:

1. Sehr wichtig ist das „Ankommen“ der Gäste in der GU. Auch unter hohem Zeitdruck im Arbeitsalltag werden unsere Mitarbeitenden noch mehr Sorgfalt in die Ankunftsphase der geflüchteten Menschen einbringen. Unser Ziel ist, dass sich alle willkommen fühlen und gut über das neue Zuhause und die vielfältigen Möglichkeiten in der Umgebung informiert sind.

2. Mit überschaubarem Aufwand könnten wir das Wohlbefinden der Gäste steigern. Dazu bedarf es jedoch einiger Änderungen behördlicher Auflagen. Zum Beispiel beim Thema Besuchszeiten. Hier gibt es in Berlin unterschiedliche Vorgaben. Hilfreich wären darüber hinaus mehr Möglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Zimmer etwas individueller gestalten bzw. einrichten zu können. Zum Beispiel mit größeren Teppichen und einzelnen eigenen Möbelstücken. Auch das gemeinsame Kochen hat für die Gäste einen sehr hohen Stellenwert. In den Gemeinschaftsküchen ist das nur in sehr begrenztem Umfang möglich.

3. Eine der größten Herausforderungen für der Befragten sind ihre beruflichen Perspektiven. 75% gaben an, keine abgeschlossene Berufsqualifikation vorweisen zu können. Hier erscheint es notwendig, dass sich Betriebe, Berufs- und Hochschulen mehr öffnen und neue Ausbildungsformate bereitstellen sowie betriebliche Einstiegskriterien definieren. Diese sollten flankiert sein von Unterstützungsangeboten und öffentlich geförderten Ausbildungsplätzen. Voraussetzung sind natürlich gute Sprachkenntnisse. Das Lernen der deutschen Sprache ab dem ersten Tag sollte allen geflüchteten Menschen ermöglicht werden, unabhängig von ihren Bleibeperspektiven.

Unsere Erkenntnisse aus der Befragung sind zwar nicht spektakulär. Jedoch zeigen sie, dass nicht unbedingt die behördlichen Sorgen wegen Rassismus oder Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Diversität (LSBTQ) im Vordergrund stehen, sondern vielmehr organisatorische und technische Probleme.

Als die Stephanus-Stiftung im November 2015 angefragt wurde, kurzfristig Verantwortung für eine Notunterkunft für Geflüchtete in einer Berliner Turnhalle zu übernehmen, hat der Stiftungsvorstand umgehend positiv entschieden.

Auch für weitere Aufgaben in der Integration geflüchteter Menschen hat sich die Stephanus-Stiftung bereiterklärt, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen. „Nothilfe braucht Anschlussprojekte“, sagt Julia Morais. „Echte Hilfe an Benachteiligte muss stets mit Perspektiven verbunden sein“.

Deshalb übernahm die Stephanus-Stiftung in kurzer Zeit zusätzliche Verantwortung auch für Gemeinschaftsunterkünfte. Darüber hinaus initiierte die diakonische Stiftung regionale Integrations- und Nachbarschaftsprojekte sowie Beratungsangebote und Treffpunkte. Dort begegnen sich geflüchtete und einheimische Menschen und geben zahlreiche gelungene Beispiele von Integration. Dabei geht die Stephanus-Stiftung fast immer in finanzielle Vorlage. Das ist eine große Herausforderung, denn über die Auftragsverlängerung in einzelnen Projekten entscheidet die zuständige Behörde teilweise im Monatstakt.

„Trotz dieser Situation bleiben wir unseren Qualitätsansprüchen treu“, sagt Julia Morais. Die Stephanus-Stiftung wolle die Gemeinschaftsunterkünfte auch weiterhin professionell und im Einklang mit den Stiftungsgrundsätzen betreiben. Deshalb ist ein Element der Qualitätssicherung die Befragung der Gäste. Sie ist neben Visitationen, Workshops und Reorganisationsanalysen sowie Nachbarschaftsumfragen und Fortbildungen ein fester Teil des Qualitätsmanagements im Bereich Migration & Integration der Stephanus-Stiftung.

Die Resultate der Befragungen bestätigen die Beobachtungen aus den Teams: einfache menschliche Grundbedürfnisse sind auch für die Bewohnerschaft in Gemeinschaftsunterkünften höchst relevant: Proaktive Information, freundlicher Umgang, verständliche Kommunikation, Sicherheit, intakte Infrastruktur, Kochmöglichkeiten für traditionelles, sozial strukturiertes Essen, die Nähe zu Läden, zum öffentlichen Nahverkehr, zur Gastronomie sowie die Nachbarschaftspflege und selbstverständlich die Integrationsangebote. Aber auch ein gutes WLAN im Hause und viele weitere Aspekte des GU-Alltags sind Themen.

„Die Ergebnisse und die Erkenntnisse spornen uns an, unsere Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft auf hohem Qualitätsniveau zu halten und noch zu verbessern. Trotz der nicht immer einfachen behördlichen Vorgaben“, sagt Julia Morais.

Interessierte Journalistinnen und Journalisten sind eingeladen, mit Julia Morais in Kontakt zu treten. Sie ist gern bereit für Gespräche. Auf Wunsch kann das detaillierte Befragungsergebnis zugeschickt werden.
Kontakt: julia.morais@stephanus.org, Mobil: 0151 40664693

 

Hier geht es zur gesamten Auswertung: Zufriedenheitsanalyse

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