Eigenständiges Leben lernen

v.l.n.r. Bernd Schwarz, Philip Schmitz (Fraktionsgeschäftsführer der BVV-Fraktion Treptow/Köpenick der GRÜNEN), Nina Stahr, Larie Mrowka (Praktikantin) und Heike Seidel.

Politiker von Bündnis 90 die Grünen informieren sich bei Stephanus über die Arbeit mit jungen Müttern und Vätern in Berlin-Grünau.

Nina Stahr, Landesvorsitzende Bündnis90/Die Grünen und Bernd Schwarz, Sprecher der AG Kinder Jugend Familie von Bündnis 90 die Grünen, besuchten am 5. Juni 2019 die Mutter-/Vater-Kind-Wohnen DOMUS (Berlin-Grünau), in Trägerschaft der gemeinnützigen Stephanus gGmbH.

Leiterin Heike Seidel begrüßte die Gäste und stellte ihnen die Aufgaben und Herausforderungen ihrer Arbeit vor. Die 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung unterstützen und begleiten junge Mütter, Väter und Schwangere ab dem 14. Lebensjahr, die allein für ein Kind unter sechs Jahren zu sorgen haben und auf Grund ihrer Persönlichkeitsentwicklung dieser Form der Unterstützung bedürfen. Manche Mütter, Väter oder Schwangere haben eine psychische Erkrankung oder geistige Einschränkung. Bei DOMUS in Grünau gibt es sieben Plätze als Gruppenangebot mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung sowie vier Plätze als Individualangebote.

„Wir möchten junge Mütter und Väter zu einem eigenständigen Leben mit ihren Kindern befähigen“, sagt Heike Seidel. Das Team besteht u.a. aus Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen und einer Psychologin. Sie geben zum Beispiel Hilfe und Anleitung bei der Pflege und Versorgung des Kindes. Besonders wichtig für eine gute Entwicklung der Kinder ist die enge Begleitung der Interaktion zwischen Mutter/Vater und Kind. Darüber hinaus bekommen die Mütter und Väter Anleitung und Unterstützung in der Haushaltsführung sowie bei der schulischen/beruflichen Perspektive. Im Rahmen eines Intensivangebotes können Mütter und Väter auch psychologische Begleitung in Anspruch nehmen. Auch beim Umgang mit Behörden und Finanzen unterstützt das erfahrene DOMUS-Team.

„Die Mitarbeiterinnen leisten eine fachlich hoch qualifizierte und sehr verantwortungsvolle Arbeit“ sagt Heike Seidel. „Die Arbeit im Bereich des Kinderschutzes erfordert in dieser Altersklasse der Kinder und in Anbetracht der Belastungen der Eltern eine große Fachlichkeit und besondere Aufmerksamkeit“. Leider werde das Fachpersonal, insbesondere die Erzieherinnen, nicht ausreichend bezahlt. Die Ursache dafür liegt in der Vergütung, wie sie für Erzieherinnen in der Jugendhilfe im Land Berlin (und darüber hinaus) vorgesehen ist und über die Entgelte für die Hilfen entsprechend refinanziert wird. Auch sei der Personalschlüssel in der Betreuung sehr knapp bemessen.

Einige der Mitarbeiterinnen verfügen über Zusatzausbildungen in Systemischer Therapie und Familientherapie, entwicklungspsychologischer Beratung und Kinderpflege. Insgesamt sei die Kinder- und Jugendhilfe nicht gut finanziert.

Der Mangel an Kitaplätzen sowie fehlender bezahlbarer Wohnraum nach Beendigung der stationären Hilfe im Domus erschwere die Situation für die betreuten Familien. Der bürokratische Aufwand in der Kooperation mit Ämtern und Behörden habe enorm zugenommen.

Bei Nina Stahr und Bernd Schwarz fand Heike Seidel fachkundige offene Ohren für ihre Anliegen. Die Besucher bedankten sich für die ausführlichen Informationen und sagten zu, diese in die Arbeit der Fachgremien in der Partei mitzunehmen. Der Besuch der Politikerin und des Politikers fand im Rahmen einer dreiwöchigen "Sommertour" zum Thema Kinderarmut statt. Dabei kommen sie mit verschiedenen Akteuren aus der Praxis sowie mit Vereinen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft ins Gespräch.

Martin Jeutner
Leiter Stabsstelle Unternehmenskommunikation

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