Ein Leben bis zuletzt, dort wo ich Zuhause bin – Vom Wunsch zur Realität

„Der Tod geht mich doch eigentlich gar nichts an. Denn wenn er da ist, bin ich nicht da und solange ich da bin, ist er nicht da. Diese humorvollen Worte nach dem griechischen Philosophen Epikur (341-270 v. Chr.) beschreiben ein unangenehmes Thema, das gleichzeitig doch fast alltäglich gegenwärtig ist.

Das Thema Sterben und Tod berührt uns auf unterschiedliche Weise: Als Leitung oder Mitarbeiterin/Mitarbeiter einer Wohngruppe. Es berührt als Vater oder Mutter, als Schwester oder Bruder, als Tochter oder Sohn, als Freundin/Freund oder als entferntere Bekanntschaft.

Je nachdem, in welcher Rolle und Beziehung wir sind, erfasst es uns leicht bis heftig und umfassend mit Schmerz, Hilflosigkeit, Trauer und auch Angst.

Wir haben zwei Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen: Entweder, wir verdrängen die Gefühle, die uns immer wieder zu überwältigen versuchen oder wir stellen uns dieser Situation und lassen uns dadurch verändern – ja, vielleicht wachsen wir sogar daran.

Mitarbeitende der Stephanus-Stiftung stellten sich der Situation. Auf Initiative von Frau Leisterer (Referentin im Geschäftsbereich Wohnen und Assistenz) startete im November 2016 die Weiterbildung Palliative Care. Diese umfasste 4 Wochen und erstreckte sich über 1,5 Jahre. Die Lehrinhalte entsprechen den Anforderungen der europäischen Palliativgesellschaft, ist über die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin zertifiziert und ermöglicht die Kompetenzentwicklung zur beratenden Palliativkraft.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den jeweiligen Häusern setzten sich mit den körperlichen, psychosozialen und spirituellen Bedürfnissen erkrankter Bewohner auseinander. Dozenten aus unterschiedlichen Professionen sensibilisierten für die Begleitung der Betroffenen, aber auch deren An- und Zugehörigen.

Der Begriff „Palliative“ ist dem lateinischen Wort „Pallium“ entnommen und bedeutet ummanteln.
Ein schöner Begriff, wenn man sich den Sinn eines Mantels überlegt: Ein Mantel schützt, wärmt und ermöglicht das Gefühl der Geborgenheit. Allerdings verhindert er nicht die Faktoren, die einen Mantel notwendig machen. So können wir nicht verhindern, dass der Mensch an einer schweren fortschreitenden Erkrankung oder an den Gebrechen des Alters leidet und stirbt. Jedoch können wir erfragen bzw. wahrnehmen, was er/sie braucht, um sich in dieser Zeit geborgen und sich des Lebens froh zu fühlen. Dieses individuell angepasste Handeln wird mit dem englischen Wort „Care“, zu Deutsch: „sorgen, pflegen, begleiten…..“  zum Ausdruck gebracht.

„Die wichtigste Stunde in unserem Leben ist immer der gegenwärtige Augenblick. Der bedeutsamste Mensch in unserem Leben ist der, der uns gerade gegenübersteht. Das notwendigste Werk in unserem Leben ist stets die Liebe.“ (Leo Tolstoi).

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freuen sich darauf, ihren Anspruch zur ganzheitlichen Begleitung bis zuletzt zu ermöglichen.

Christine Menold (Mitarbeiterin ABB Pankow)
Barbara Hartmann (Kursleitung)

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