Michael aus den USA kam vor einigen Jahren mit seiner Familie zur Krabbelgruppe. Heute leitet er eine English Conversation Group. Gabi, die früher am Sprachcafé teilnahm, hat eine Zumba-Gruppe gegründet. Eine Seniorin aus dem Wohngebiet bietet freitags Bewegung zur Entspannung an. Und ein älterer Nachbar begleitet das gemeinsame Singen auf seinem Akkordeon. Aus Menschen, die zunächst ein Angebot besuchen, werden so selbst Engagierte, die ihre Interessen und Fähigkeiten mit anderen teilen.
Wie vielfältig und lebendig diese Nachbarschaft ist, zeigte sich auch beim inklusiven Fußballturnier im Oktober. Was mit der Idee eines einzelnen fußballbegeisterten Nachbarn begann, wurde innerhalb von nur zwei Wochen zu einem Gemeinschaftsprojekt mit mehr als 40 Teilnehmenden. Ein kenianischer Vater, der jeden Sonntag mit den Kindern aus der Siedlung Fußball spielt, engagierte sich ebenso wie ein ehemaliger mazedonischer Nationalspieler. Ein junger Mann aus Syrien entwarf Plakate, Teilnehmerlisten und Spielpläne. Eine ältere Nachbarin versorgte die Organisierenden bei ihren Treffen mit Keksen und backte Kuchen für den Turniertag. Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Herkunft, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Lebensgeschichten brachten sich ein. Jede und jeder auf eigene Weise, aber alle mit einem gemeinsamen Ziel: etwas Schönes für ihre Nachbarschaft zu schaffen.
Was auf dem Fußballplatz gelingt, setzt sich auch am Esstisch fort. Beim Community Dinner wird gemeinsam gegessen, erzählt und Neues entdeckt. Ob Quarkkeulchen, Syrniki, Börek, Samosa oder Manty – die Vielfalt der Speisen spiegelt die Vielfalt der Menschen im Kiez wider. Entstanden ist die Idee aus einem Abschiedsessen für eine Teilnehmerin des Sprachcafés. Inzwischen ist daraus ein wiederkehrendes Angebot geworden, das Menschen über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg zusammenbringt.
All diese Beispiele zeigen: Jeder Mensch hat etwas beizutragen. Ob mit einer Idee, einem besonderen Talent, Zeit oder einfach einem offenen Ohr. Dabei entstehen Kontakte, die über einzelne Veranstaltungen hinausreichen. Menschen lernen sich kennen, entwickeln Vertrauen und erleben, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind. Das kann Einsamkeit entgegenwirken und gegenseitige Unterstützung im Alltag wachsen lassen.
Damit solche Verbindungen entstehen, braucht es Orte, an denen Menschen zusammenfinden und aus ersten Ideen gemeinsame Vorhaben werden können. Gerade in der Siedlung Weiße Taube, in der es nur wenige Treffpunkte gibt, übernimmt das Nachbarschaftsbüro La Paloma diese wichtige Rolle. Hier finden Menschen ein offenes Ohr, Unterstützung und andere, die mitmachen möchten. Was daraus entsteht, gestalten die Nachbarinnen und Nachbarn selbst.
Die Förderung durch die Deutsche Fernsehlotterie läuft Ende 2026 aus. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Was in den vergangenen Jahren gewachsen ist, macht jedoch deutlich, wie wertvoll solche Orte sind. Denn lebendige Nachbarschaft entsteht nicht allein dadurch, dass Menschen nebeneinander wohnen, sondern dadurch, dass sie miteinander etwas bewegen.
Das Nachbarschaftsbüro La Paloma wird aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie gefördert.


