In den Wintermonaten fahren Chico und Angelito direkt in den 3. Stock. Ihr Ziel: Der Tagesraum der Wohngruppe. Ganz selbstverständlich schauen sie mit ihren langen Hälsen aus dem Fahrstuhl raus. Die zwei Alpakas, Chico und Angelito, trappeln zielstrebig in den großzügigen Gemeinschaftsraum, in dem die Klient*innen bereits warten.
Ruhig stellen sich die Alpakas erstmal in die Mitte des Raumes. Für die Tiere ist es nicht der erste Besuch. Seit 2024 kommen Alpakas vom Serwester Hof nahe Chorin monatlich ins Waldhaus. Hier leben Menschen mit körperlichen und mehrfachen Beeinträchtigungen in Wohngruppen zusammen. Gerade im Winter ist es draußen oft zu kalt für Aktivitäten. Damit auch in der kalten Jahreszeit für Abwechslung gesorgt ist, verlegten die Mitarbeiter*innen des Waldhauses die monatlichen Besuche kurzerhand in die Innenräume. Als stubenreine und Allergiker-freundliche Tiere eignen sich Alpakas hervorragend für Einrichtungsbesuche.
Die Klient*innen haben sich für den Alpakabesuch im Tagesraum verteilt. Waldhaus-Mitarbeiterin Anne Erne füllt Futter in kleine Eimer und stellt sich in die Nähe der Klient*innen. Chico und Angelito lassen sich sofort anlocken. Anne Erne hält den kleinen Eimer mit Futter bereit und eines der Alpakas kommt näher an einen Klienten heran. Der ideale Moment für eine erste Streicheleinheit. Klient*innen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, haben die optimale Höhe, um das dichte Fell zu berühren. Da manche in ihren Bewegungsabläufen eingeschränkt sind, assistieren Mitarbeiter*innen und führen die Hand vorsichtig beim Streicheln. Das Spüren des warmen, dichten Fells ruft immer wieder ein Lächeln hervor. „Wir sehen, dass sich Klient*innen in Kontakt mit den Tieren entspannen“, sagt Nadine Hoppenheit, Leiterin des Pflegewohnens im Waldhaus zum Hintergrund der Besuche. Die Selbstbestimmung der Klient*innen steht dabei immer im Vordergrund. „Wir schauen, ob Interesse an Nähe besteht oder ob jemand lieber auf Distanz zuschauen möchte“, betont Nadine Hoppenheit.
Die Alpakas selbst reagieren sehr feinfühlig. Sie suchen Nähe, wenn sie spüren, dass Kontakt gesucht wird, und halten Abstand, wenn kein Interesse signalisiert wird. Für manche Klient*innen reicht es aus, die Alpakas zu beobachten und ihren typischen Geruch wahrzunehmen. Dieser bleibt nach den Besuchen häufig noch den restlichen Tag als Erinnerung im Gemeinschaftsraum. Ziel des Alpakabesuchs ist es, die körperliche Wahrnehmung anzusprechen. Dazu gehört neben dem Riechen, das dichte Fell zu streicheln und zu fühlen.
Dass die Tiere ihren eigenen Kopf haben, blitzt so manches Mal hervor. Selbstbestimmung ist ihnen genauso gegeben und wenn Angelino keine Lust mehr hat, legt er einfach eine kurze Pause ein. Nach dem Einsatz haben die Alpakas für den restlichen Tag frei.
Henrike Lobeck,
Referentin Presse und Politik


